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Der digitale Führerschein

Soll ein Führungsteam ein echtes Team sein? Wenn Sie mich fragen, ja. Unbedingt! Das wirkt weit ins Unternehmen hinein. Genau diese Einheit ist allerdings gefährdet, auch dank einem eher neuen Zusammenhang …


Früher war führen noch übersichtlich. Teams arbeiteten am gleichen Ort oder zumindest sah man sich regelmässig. So wurde viel miteinander gesprochen, auch wenn das nicht immer reichte, um vom Gleichen zu sprechen.

Und heute? Neue Arbeitszeitmodelle, lange Öffnungszeiten, immer grössere Organisationen, Führen in der Matrix und auf Distanz sorgen dafür, dass das mit dem Miteinanderreden nicht mehr so gut klappt. Um dies zu meistern, gibt's Strukturen, auch beim Führen. Ein Teil dieser Strukturen ist relativ neu - ich meine die Art und Weise, wie Führungskräfte digitale bzw. soziale Medien für ihre Führungsarbeit nutzen.

Manche Firma überlässt das dem Zufall. Andere fordern digitale Führungskommunikation ein, ohne klare Rahmenbedingungen. Wieder andere führen einen richtigen digitalen Führer- oder Führungsschein ein. Braucht es diesen wirklich?

Die positiven Seiten digitaler Führungskommunikation sind vielfältig: Skypen ist besser, als sich fast nie zu sehen. Informationsfluss lässt sich automatisieren und vielleicht wird Erfolge mitteilen, was so oft vernachlässigt wird, wenigstens digital vermehrt umgesetzt. Schliesslich kann ein Projektleiter jetzt von jedem Standort und von jeder Baustelle aus ein Foto mit positiven Nachrichten ins Intranet setzen.

Die Kehrseite ist allerdings auch der Rede wert. Führen per E-Mail funktioniert schlecht, weil es Missverständnisse geradezu produziert. Anderen Tools geht's genau gleich. Zudem wirken sie auf Dauer halt doch eher unpersönlich. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Vielerorts nutzen Führungskräfte die digitalen Kommunikationswege kaum - dafür ist das Alter nur ein möglicher Auslöser.

Aktuelles Fazit: Ein digitaler Führerschein kann Sinn machen. Weil dieses Thema eine Führungscrew in Schräglage bringen kann. Weil der Informationsfluss online nicht automatisch besser wird und weil ein positives Image als Arbeitgeber moderne Strukturen erfordert.

Wie sehen Sie das?

 

Jörg Neumann

joerg@nzp.ch


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