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Der ominöse Gruss

Heute feiert die Schweiz Geburtstag – herzlichen Glückwunsch! Weil für die Schweiz sowohl Traditionen als auch Innovationen wichtig sind, fordere ich eine Innovation ein, wenn auch nur eine ganz kleine …


Gut und gern 150‘000 Menschen nehmen heute an einem 1. August-Brunch teil, die von ungefähr 350 Bauernhöfen veranstaltet werden. Noch mehr Menschen gehen am 1. August-Abend fein essen. Restaurants, Hotels, Bergbahnen und Schifffahrtsbetriebe überbieten sich mit Angeboten – nur eins machen fast alle gleich.

Die Menüfolge startet mit einem höchst ominösen, langweiligen Gruss: dem sogenannten Gruss aus der Küche! Seit Jahren schon ärgere ich mich über die einfältige und immer gleiche Art, das Amuse Bouche zu servieren. Ja, ich erkenne diesen Gruss oft schon an den Lippen der Service-Mitarbeiter. Nicht selten bin ich schneller und sage wissend und überraschend: Grüssen Sie zurück.

Welche Rolle kann Innovation in einem Restaurant schon spielen, in dem die Mitarbeiter immer und immer gleich zu den Gästen laufen, um den Gruss aus der Küche zu servieren? Vielleicht ist dieser Mangel an Innovation einer der Gründe, warum weit über die Hälfte aller Restaurants in der Schweiz keinen Gewinn erwirtschaften!

Als Alternative empfehle ich, das Amuse Bouche und das Küchenteam vorzustellen: «Liebe Gäste, zum Start servieren wir Ihnen heute ein feines Scheibchen Terrine. Maja Moser und ihr Küchenteam sind auf Terrinen und Pâtés spezialisiert und haben für Sie heute eines ihrer Lieblings-Rezepte zubereitet …»

Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, wünsche ich für heute Abend, falls Sie auswärts essen gehen, viel Genuss! Und falls nicht, natürlich auch.

 

Herzlich, Ihr Jörg Neumann

joerg@nzp.ch


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