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Ausrufezeichen

Vor kurzem fiel mir ein grosses Plakat auf: «Mieter gesucht!». Oh, dachte ich mir – wer schreit denn da seine Wunschkunden an? Nur ein Beispiel dafür, dass längst nicht alle dieses Satzzeichen im Griff haben …


Ausrufezeichen verleihen einer Aussage Nachdruck, das ist gut so und oft gewollt. Sie werden jedoch auch genutzt, um Befehle oder Warnungen auszudrücken oder wenn das Geschriebene in der gesprochenen Sprache laut gerufen würde. Somit ist beim Verwenden des Ausrufezeichens eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung geboten (weniger ist mehr) – erst recht, wenn Kunden das Geschriebene lesen.

Im Alltag geht diese Art von Zurückhaltung oft verloren, so wie in der eingangs erwähnten Mieter-Ansprache. Die erste Ausschreibung der neuen Wohnungen war unauffällig, die zweite auch – jedoch blieben sie offensichtlich erfolglos. Also folgt die dritte Version, mit Ausrufezeichen. Leider zeigt dies den Stress und den Druck, den der Vermieter empfindet – Kunden lieben sowas nicht.

Eine weitere Spezialität ist immer häufiger zu beobachten, nämlich das Schreiben von mehreren Ausrufezeichen hintereinander. Auf den ersten Blick ein Kavaliersdelikt, auf den zweiten schlicht schlechte Kommunikation:

  • Wie fühlen Sie sich, wenn Sie von Ihrem Chef Unterlagen mit handschriftlichen Anmerkungen zurückerhalten und hinter jeder zweiten Notiz mehrere Ausrufezei-chen stehen? («Bis Dienstag erledigen!!!»)
  • Oder wie kundenorientiert empfinden Sie folgende Ausrufezeichen-Sammlung? Sie bitten einen Kundenberater per Mail um eine Auskunft. Dieser schreibt Ihnen zurück: «Das haben wir bereits erledigt!!!» - Dann soll das wohl heissen «Frag doch nicht so blöd und guck erst mal in die Post.»

Die Franzosen haben es ja schon immer gewusst: «C’est le ton qui fait la musique» – et pas le point d’exclamation. Einen guten Wochenendspurt wünsche ich Ihnen. Und wenn Sie am Wochenende für Kunden im Einsatz sind, dann ein grosses MERCI dafür.

 

Jörg Neumann

joerg@nzp.ch


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